Ziel der Untersuchung ist die Erfassung des nicht-suizidalen Selbstverletzungsverhaltens (NSSI) bei Jugendlichen mit depressiven Störungen, die Analyse der relevanten Einflussfaktoren und die Bereitstellung einer theoretischen Grundlage sowie Referenz für Prävention und Behandlung von NSSI. Es wurden 95 Jugendliche mit depressiven Störungen ausgewählt und gemäß den DSM-5-Diagnosekriterien für NSSI in eine Gruppe mit NSSI-Verhalten (NSSI-Gruppe) und eine Gruppe ohne NSSI-Verhalten (nNSSI-Gruppe) eingeteilt. Die Patienten wurden mittels des Fragebogens zum nicht-suizidalen Selbstverletzungsverhalten bei Jugendlichen (ANSAQ), der Selbstbewertungsskala für Depression (SDS), der Selbstbewertungsskala für Angst (SAS), des vereinfachten Bewältigungsfragebogens (SCSQ), der Erfahrung intimer Beziehungen - Beziehungsstruktursskala (ECR-RS) und des Kurzfragebogens zur Kindheitstraumaerfassung (CTQ-SF) bewertet. Es wurden Gruppenunterschiede zwischen NSSI und nNSSI verglichen, und eine binäre logistische Regressionsanalyse wurde zur Untersuchung der Einflussfaktoren auf das NSSI-Verhalten verwendet. Von 95 Jugendlichen mit depressiven Störungen zeigten 59 NSSI, die Erkennungsrate betrug 62,11%. Die NSSI-Gruppe erzielte höhere Werte in der Selbstbewertungsskala für Depression, der Selbstbewertungsskala für Angst, negativer Bewältigung im SCSQ, Angst bei der Bindung an den Vater, Angst und Vermeidung bei der Bindung an die Mutter, der Gesamtsumme des CTQ-SF, emotionaler Vernachlässigung, körperlicher Vernachlässigung, emotionaler Misshandlung und sexueller Misshandlung im Vergleich zur nNSSI-Gruppe (p-Werte alle <0,05). Die binäre logistische Regressionsanalyse zeigte, dass Angst, negative Bewältigung, Vermeidung der Bindung an die Mutter und emotionale Misshandlung das Risiko von NSSI bei Jugendlichen mit depressiven Störungen erhöhen können (p-Werte alle <0,05). Fazit: Die Studie zeigt, dass die Inzidenz von NSSI bei Jugendlichen mit depressiven Störungen hoch ist; Angst, negative Bewältigung, Vermeidung der Mutterbindung und emotionale Misshandlung sind Risikofaktoren für NSSI. In der klinischen Praxis sollte neben der Verbesserung von Depressionen und Ängsten auch auf die Bewältigungsstrategien, die Eltern-Kind-Beziehung und traumatische Kindheitserfahrungen geachtet werden, um das Auftreten von NSSI zu reduzieren.